Das PC-Spiel „Defcon“, das schon 2006 erschien, aber leider nur mit Kreditkarte auf der Onlineplattform Steam erwerbbar war, ist nun auch im normalen Handel „eingeschlagen“. Das Spiel erlaubt es dem Spieler, den „Globalen Thermonuklearen Krieg“ (Packungstext) nachzuspielen, und lehnt sich in der Darstellung sehr stark an die abstrakte Darstellung eines möglichen dritten Weltkrieges im Film „WarGames“ an, der 1983 unter der Regie John Badhams entstand.

„Defcon“ (kurz für „Defense Condition“) meint dabei den Verteidigungsbereitschaftszustand des US-Militärs, der im Film durch ein vermeintliches Computerspiel (!) in Alarmbereitschaft versetzt wird – der dritte Weltkrieg droht. Introversion, der Hersteller des realen PC-Spiels, greift die Idee des Films auf und lässt den gewillten Spieler direkt „The World’s first Genocide ‘em up“ (Geschmack ist Glückssache) steuern. Ziel ist es immer, den ausgemachten Feind (heute nicht mehr wie im Film der „Ostblock“) mit atomaren Waffen einzudecken (womit das Spiel die Storyline des Films ad absurdum geführt wird; im Film versuchen die Darsteller, den dritten Weltkrieg zu verhindern).
Zuletzt hatte das Magazin Retro eine ganze Ausgabe dem Thema „Kalter Krieg – heiße Spiele“ gewidmet – nicht der einzige Beweis, dass die atomare Bedrohung bzw. die herannahende Endzeit/Apokalypse ein starker medialer Topos ist. Nach „Apokalyptische Figuren“ sammle ich also fleißig weiter, damit ich demnächst wieder etwas zum Thema machen kann. Das Spiel bietet dafür schon genug Anlass …
Wer das Spiel testen möchte, kann auf der Herstellerseite übrigens die Demoversion downloaden. Und wenn Ihr zufällig online auf jemanden namens „Atomic Cafe“ trefft, dann wisst Ihr ja, dass ich auf Recherche bin …
EDIT (19.02.08): Ich bin auf einen interessanten kleinen Text zu Film und Spiel gestoßen. Rolf F. Nohr: Wargames. More than serious play. In: Space Time Play. Computer Games, Architecture and Urbanism: The next level, Basel/Boston/Berlin 2007, S. 414-415.
Außerdem habe ich mich daran erinnert, dass in „Call of Duty 4″ die Spielfigur hilfloser Zuschauer einer Atombombenexplosion wird. Wem weitere Beispiele aus Film/Spiel einfallen ist herzlich zum Kommentieren eingeladen!
Juni 7, 2008 um 8:46 |
Bei Atombomben in Spielen muss ich auch an die Command and Conquer Reihe denken. Die Atombombe zum Auslöschen ganzer Heere und Basen gab es auch in Starcraft. In Echtzeitspielen sorgt die Einbeziehung nuklearer Waffen für ausgefuchste Strategien und die große Sorge vor einem atomaren Angriff, der das Spiel beenden könnte.
Juni 20, 2008 um 10:48 |
[...] “Defcon” unter ethischer Perspektive. Ich hatte ja schon einmal kurz in meinem akademischen Blog auf den Bezug zwischen dem Spiel und dem Film “WarGames” hingewiesen – nun bietet sich [...]